75 Jahre Voelkel-Säfte: Von Idealen, Trend-Limonaden und Verantwortung für die Region
75 Jahre ist es her, als Margret und Karl Voelkel die ersten Voelkel-Säfte auf den Markt brachten, demeter-Qualität von Anfang an. Seit 1979 führt ihr Enkel Stefan Voelkel das stetig wachsende Unternehmen. Zehn Fragen zum Jubiläum:
75 Jahre Voelkel - Tradition verpflichtet?
Wir empfinden das als klare Verpflichtung, die Idee der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise unserer Großeltern fortzusetzen. Heute haben wir mehr als 150 verschiedene Rezepturen entwickelt. Dabei liegt unser Schwerpunkt nach wie vor auf demeter-Qualität.
Spüren Sie nach wie vor den Bio-Boom?
Wir können ein kontinuierliches Wachstum feststellen, keinen Boom. Das ist auch gut so, denn bei jedem Boom fehlen schnell die guten Rohstoffe, irgendetwas bleibt auf der Strecke. Das wollen wir nicht. Aber ein gesundes Wachstum, natürlich. Dabei geht es nicht um maximale Verkaufserträge, sondern um Wachsen mit Nachhaltigkeit. Unsere Zielgruppe ist im Naturkosthandel. Voelkel finden Sie bei ausgewählten Einzelhändlern, die persönlich für Bio stehen. Das soll auch so bleiben.
Welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit?
Natürlich eine große! Wir wollen was tun, angefangen von gemeinsamen Forschungsvorhaben zur Nachhaltigkeit mit der Universität Leuphana über Bio-Verpflegung für die Mitarbeiter bis hin zum Einbau neuer, ressourcenschonender Maschinen in der Produktion. Wir wachsen Schritt für Schritt, haben ein gerechtes Wirtschaften im Blick. Dazu gehören auch Tariflöhne für die Mitarbeiter. Und natürlich ein guter Nachwuchs, jedes Jahr bilden wir aus. Die besten Absolventen kommen aus unserem Haus, deutschlandweit.Das liegt daran, weil hier noch Ur-Produktion stattfindet. Denn wir sind noch immer ein klassischer Handwerksbetrieb, das gehört zu unseren Stärken.
Sie arbeiten seit 1979 als Geschäftsführer, was hat sich nach so vielen Jahren verändert?
Geblieben ist die Begeisterung für die Ursprünglichkeit von Früchten und natürlich auch die Freude am Erfinden neuer Säfte. Ich bin da im Labor ganz direkt dran. Inzwischen sind wir gewachsen, mehr Menschen wissen um den Wert unserer Säfte in demeter- und auch in Bio-Qualität und wollen sie genießen. Mich treibt der Gedanke um, wie wir Bio noch weiterentwickeln können, vielleicht sogar unsere eigenen Voelkel-Anbaukriterien formulieren und als Zertifikat neben dem EU-Bio-Siegel einführen.
Ist Bio eine Wachstumsgarantie?
Nein, wir dürfen nicht vergessen: Der Bio-Anteil an den Lebensmitteln beträgt in Deutschland nur 3 Prozent. Eigentlich sind es recht wenige Betriebe. Wenn diese Vorzeige-Inseln nicht langsam und gesund wachsen, dann stimmt etwas nicht. Schlimmstenfalls bleiben Ideale auf der Strecke. Bio-Produkte sind keine Industrieprodukte. Wir hier bei Voelkel haben Verantwortung für 150 Mitarbeiter und ihre Familien, wir haben mit unserem Anteil die Verpflichtung, dass diese 3 Prozent Bio auch ehrlich und authentisch sind. Es wäre phantastisch, wenn wir in den nächsten Jahrzehnten 8 bis 10 Prozent Anteil im Lebensmittelbereich erreichen könnten. Bio- Unternehmen schaffen Arbeitsplätze, weil mehr Menschen dort tätig sind. Darauf sollte auch die Politik grundsätzlich eingehen, wenn Förderrichtlinien aufgestellt werden.
Was war Ihre mutigste unternehmerische Entscheidung?
Dass wir uns früh auf das große Feld der Gemüsesaftherstellung begeben haben, auch vor der Herstellung von Apfelessig und der Milchsäuregärung nicht zurückschreckten. Der größte Schritt aber war die Entwicklung unserer Erfrischungs-Limonaden aus eigenen Extrakten ohne Zucker und Zusätze. Mehr Natürlichkeit geht nicht. Das machte Ende der 90er aus dem Kleinbetrieb ein mittelständisches Unternehmen.
Haben Sie einen Lieblingssaft?
Ach, ich mag sie alle. Das ganze Sortiment ist mein Favorit. Dabei kommt ständig etwas Neues hinzu. Manchmal wache ich nachts auf und möchte am liebsten gleich ins Labor und was ausprobieren. Ich warte dann aber lieber bis zum nächsten Tag, wenn das ganze Team da ist.
Auch der Saftgeschmack unterliegt Trends, was bedeutet das?
Wenn man sich von einem langjährigen Produkt trennt, dann tut das schon weh. Aber das Interesse an einigen Früchten ändert sich, zum Teil auch aus dem Wissen um ihre Inhaltsstoffe heraus. Ganz begehrt sind gerade Granatäpfel und Cranberries. Auch Sanddorn ist sehr beliebt, eigentlich liegen überhaupt alte heimische Früchte im Trend.
Hätte es für Sie je eine Alternative zum Saft gegeben?
Was anderes als das, was ich heute mache, war nie eine Alternative. Schon mit zwölf Jahren habe ich schwarze Johannisbeeren gepresst, die Reinheit der Früchte fesselt mich immer noch. Und wenn doch, hätte ich mich vielleicht für etwas Musisches entschieden.
Liegt bei Voelkel auch die Zukunft in der Familie?
Ja, wir sind ein Familienunternehmen und wollen es auch bleiben. Meine vier Söhne sind interessiert, da habe ich eigentlich keine Zukunftssorgen. Wichtig ist vor allem, dass die Idee unseres Unternehmens nicht verloren geht und vielleicht durch eine Stiftung ergänzt wird.
Wenn Sie und Ihre Kinder in 25 Jahren 100 Jahre Voelkel feiern, wo sehen Sie das Unternehmen dann?
Wir schaffen weiterhin ein gesundes kontinuierliches Wachstum, haben noch mehr Flächen auf biologisch-dynamischen Anbau umgestellt, regionales Engagement ist sehr wichtig. Regional heißt lokal die Stärkung der Streuobstvereine, bezieht sich aber auch auf den Anbau der Zitrusfrüchte vom Mittelmeerraum – näher wachsen Zitronen und Orangen einfach nicht. Aber auch: Unseren Mitarbeitern nachhaltig einen sicheren Arbeitsplatz zu bieten. Entscheidend bei allem ist für mich unsere Voelkel-Idee und ihre Verlässlichkeit der reinen Naturkost-Säfte.